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Wasser - von einer lebenswichtigen Ressource zum Spekulationsobjekt und Wirtschaftsgut?

Wasser ist die Quelle des Lebens, der Gesundheit und des Wohlergehens. Der Anspruch auf Wasser sollte für alle Menschen selbstverständlich und zugänglich sein. Soweit die Theorie. Doch Wasser ist – so alltäglich normal es für uns erscheinen mag – eine zunehmende knappe Ressource. Weltweit haben rund 800 Millionen Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser und rund 1,5 Millionen Menschen sterben jährlich an den Folgen durch verunreinigtes Wasser.

Wasser - Spekulationsobjekt statt lebenswichtige Ressource - fairani

Müssen die verantwortlichen Staaten nicht gewisse Grundsätze beachten und dafür Sorge tragen, dass die Grundversorgung für ihre jeweilige Bevölkerung generell gewährleistet ist?

Unser Planet ist mit 70,8% Wasser bedeckt, davon 2,5% Süßwasser. Da sich zwei Drittel an den Polen als Eisschichten befinden, stehen uns gerade einmal ein Drittel vom vorhandenen Süßwasser zur Verfügung. Während die Verfügbarkeit von der Vegetation, dem Oberflächenwasser, dem Grundwasser und den Niederschlägen abhängig ist, ist der Wasserverbrauch von Land zu Land und den entsprechenden Lebensgewohnheiten sehr unterschiedlich. Der durchschnittliche Verbrauch hängt vom Stand der wirtschaftlichen Entwicklung und den kulturellen Gewohnheiten ab.  Oder anders ausgedrückt, die Versorgung mit sauberen Wasser ist alles andere als ausgeglichen und gerecht. Gerade die heißen Regionen mit wenig Niederschlägen, wie Zentralafrika und Afghanistan, aber auch Nord- und Südafrika, der Nahe und Mittlere Osten, Mexiko, China und Indien sind von der Wasserknappheit betroffen und vor Austrocknung bedroht.

Verschwenderischer Umgang

Es wird immer weniger Wasser pro Einwohner zur Verfügung stehen, was aber weniger auf den Anstieg der Weltbevölkerung zurückzuführen ist, vielmehr wie wir künftig unsere Güter produzieren. Die vereinten Nationen erwarten bis 2025, dass die Welt 40% mehr Wasser verbrauchen wird als heute. Dabei spielt die Landwirtschaft eine beachtliche Rolle. Allein 70% des Wasserverbrauches verzeichnet die Landwirtschaft, Tendenz steigend, z.B. durch zunehmenden Rindfleischkonsum in China. Aber auch in den ärmeren Schwellen- und Entwicklungsländern, in denen Menschen erheblich weniger Wasser zur Verfügung steht, ist der enorme Wasserverbrauch durch die Landwirtschaft ein ernsthaftes Problem. Zum anderen werden für die Industrie weitere 20% des Süßwassers benötigt.   10% werden in den privaten Haushalten verbraucht, hiervon der weitaus größte Anteil in den Industrieländern. Die Folge: Immer mehr Menschen müssen ihr Land wegen Wassermangel verlassen und flüchten in größere Städte. Eine zunehmende Anzahl von Menschen lebt auf engstem Raum, Abwasser und Müll nehmen ständig zu. Durch den Klimawandel wird sich diese Situation noch weiter verschärfen.

Missmanagement führt zu politischen Spannungen

Müssen wir uns künftig auf Kriege einstellen, mit denen immer knapper werdende Ressourcen erworben und gesichert werden? Dahinter steckt ein politischer Gedanke, dass Wasser als wirtschaftlicher Faktor gilt und als eine zum Staatsgebiet gehörende Ressource angesehen wird. Dies stimmt so allerdings nicht, Wasser ist eine grenzüberschreitende Ressource. Flüsse, wie zum Beispiel der Nil, Jordan und Euphrat sind entscheidende Wasserquellen für die anliegenden Staaten. Während die angrenzenden Länder des Nils, wie Ägypten und Sudan über fast 90% des gesamten Flusswassers verfügen, wird dem unterhalb liegenden Äthiopien nur ein Bruchteil des Wassers zugestanden. Auch der Nahe Osten ist eine der Problemregionen. Durch den Bau von Staudämmen in der Türkei steht den Nachbarländern, Syrien und Irak ebenfalls weniger Wasser zur Verfügung. Aber auch in den Gebieten Israels, Jordaniens sowie Indien und Pakistan kommt es immer wieder zu Wasserkonflikten und mangels Absprachen zu politischen Spannungen. Der damalige Außenminister Ägyptens und spätere UN-Generalsekretär, Boutros Ghali sagte bereits 1986 „Die Kriege des 21. Jahrhunderts werden nicht um Öl, sondern um Wasser geführt werden“.

Das schmutzige Geschäft mit Wasser

Immer häufiger spielen bei der Wasserversorgung auch wirtschaftliche Interessen eine große Rolle. Zunehmend erobern private Konzerne die Macht über unser wertvolles Trinkwasser, um hohe Gewinne zu erzielen. Der internationale Nestle-Konzern sagt beispielsweise „der Zugang zu Wasser sollte kein öffentliches Recht sein“. Mit der Privatisierung haben sich die Bedingungen für die ärmeren Länder drastisch verschlechtert. „Die Wasserpreise stiegen an, die Qualität hat sich verschlechtert“. Aber auch wir in Europa haben bereits unsere Erfahrungen gemacht. Die Konsequenzen der Privatisierung der Wasserversorgung in Portugal – 400% Preiserhöhung und 6%ige jährliche Preissteigerungen für den Bürger! In Griechenland ist die Privatisierung Teil des Programms. London leidet unter 60% beschädigter Wasserrohre und somit einem hohen Wasserverlust, die Kieler Stadtwerke wurde an einen texanischen Rentenfonds verkauft und Berlin erfuhr nach Teilprivatisierung der Wasserwerke einen 30%igen Preisanstieg. Für die Großkonzerne ist Wasser ein Spekulationsobjekt, ein Wirtschaftsgut. Analysten schätzen den Wassermarkt allein in der EU auf eine dreistellige Milliardenhöhe und sie wollen ihn haben. Großkonzerne, wie Thames Water, Veulia, RWE, Gelsenwasser u. a. warten nur darauf! 

Zwar hat am 08.09.2015 das EU-Parlament die  europäische Bürgerinitiative „Right2Water“ gegen die Privatisierung der Wasserversorgung unterstützt. Es fordert die Kommission auf, das Recht auf Wasser und sanitäre Grundversorgung gesetzlich zu verankern. Aber ausgerechnet die sogenannten Public Private Partnerships(PPP) wurde mit einer Mehrheit der EU- Abgeordneten von dem Verbot der Privatisierung ausgenommen (Quelle: Water makes Money). Der Kampf gegen die Privatisierung von Wasser findet also eine politische – von wirtschaftlichen und nationalen Interessen geprägte – Fortsetzung! Und uns sollte allen bewusst sein, wer zukünftig das Wasser kontrolliert, kontrolliert die Welt!

Quelle:  publiq media, Ausgabe 2.2016, Autorin Petra Lässer

Weltwasserbricht UNO

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