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Tiertransport - tierische Hölle für den menschlichen Profit!

Der Horror nimmt kein Ende - schon wieder eine Hiobsbotschaft von der A4. Die Beamten der Chemnitzer Verkehrspolizei führten diese Woche in Zusammenarbeit mit dem Veterinäramt Tiertransportkontrollen durch - bei einem Schlachtrind- und  Schweinetransporter stellten sie schockierende Verstöße fest: verendete und erschöpfte Kühe; Ferkel  über drei Ebenen in einem total überladenen Transporter eingepfercht, ohne jegliche Bewegungsfreiheit. Sind die Speditionen und Unternehmen, sowie Landwirte, die einen Lebendtiertransport durchführen nicht an die Tiertransportverordnung gebunden? Warum müssen unsere Tiere dennoch so viel Leid ertragen?


Stundenlange Lebendtiertransporte, die sogenannten "gewerblichen Transporte" gehören schon längst zum deutschen Alltag. Und wer kennt sie nicht, diese traurigen und angsterfüllten Blicke unserer Mitgeschöpfe? Viele von uns fühlen mit, andere wiederum ignorieren diesen Anblick, um sich den Appetit auf ihr "Schnitzel" nicht zu verderben.

Ist das der Grund, warum Unternehmen zunehmend auf geschlossene Transporter setzen, beladen mit qualvollem Tierleid? Ist es die Anonymität unserer Tiere, die uns Menschen so kalt lässt?

Dumpingpreise und Massenproduktion von Fleisch- und Wurstwaren treiben Deutschlands  Bauern in den Ruin. Zunehmend konzentriert sich die Fleischproduktion auf Megamastanlagen. Die Entstehung von Großschlachthöfen ist nicht mehr aufzuhalten. Immer häufiger werden Tiere aus ländlichen Kleinbetrieben von Viehhändlern gesammelt, verladen und in die entferntesten Großschlachtanlagen transportiert.

Im Jahr 2014 wurde in deutschen Schlachtunternehmen so viel geschlachtet wie noch nie:

 

Ochsen & Bullen

Kühe

weibliche Rinder (nicht gekalbt)

Jungrinder

Kälber

Schweine

Schafe

Geflügel (Hühner, Enten, Gänse, Truthühner)

 

   1.443.900

   1.271. 300

     473.800

       43.300

     320.300

58.734.600

     986.400

701.905.185

 

 gesamt 765.178.785

765.178.785 getötete Tiere für die deutsche Fleischeslust! Und alle Tiere werden über unsere Straßen transportiert - nehmen wir Menschen diesen Wahnsinn überhaupt noch wahr?

Aber das ist noch nicht genug!  Hinzu kommen noch Massen an Wegwerfkälbern der Milchindustrie, die bereits nach wenigen Tagen ihrer Geburt eine Höllenreise ins entfernteste Ausland antreten müssen. Und nicht zu vergessen, die zahlreichen Rinder und Schafe, die aus religiösen Gründen ins Ausland unter inakzeptablen Bedingungen transportiert werden, um dort ihrem umstrittenen Ritual zu erlegen.

Und dennoch setzt die Bundesregierung, insbesondere unser derzeitiger Bundesagrarminister Christian Schmidt, weiterhin auf Maximierung von Profiten und Export. Mit einer derzeitigen Exportquote von 33 Prozent nimmt Deutschland eine absolute Spitzenpostion in der Agrar- und Ernährungswirtschaft ein. 19,5 Prozent des Gesamtexportes besteht aus Fleisch und Fleischwaren sowie 16,7 Prozent aus Milch und Milchprodukten. Tendenz steigend.

Auch der Import von Schlachtvieh in Deutschland boomt. 2015 wurden insgesamt an Ferkeln, Sauen sowie Schlachtschweinen und Schlachtsauen 15,7 Millionen Tiere  und ca. 150.000 Rinder importiert.

Zwar hat sich der Fleischkonsum in Deutschland minimal (durchschnittlich zwei Kilogramm pro Einwohner im Jahr) reduziert, doch der globale Hunger nach Fleisch ist nicht zu stillen. Und das  Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft wird verstärkt mit Maßnahmen der Exportförderung, Messebeteiligungen oder der Beseitigung von Handelsgeheimnissen deutsche Unternehmen gezielt bei der Erschließung neuer Märkte unterstützen.

Die Grafik zeigt, dass bereits die vier größten Schweine-Schlachtfabriken Deutschlands einen Marktanteil von 60 Prozent kontrollieren.

 

Laut Aussage von Agrarminister Christian Schmidt und den Verantwortlichen dieser Megafabriken stehe das Tierwohl im Vordergrund. Doch ist dem wirklich so? Kann man überhaupt noch bei diesen unkontrollierbaren Massen an Tierhaltung, Tiertransporten und Schlachtungen von Tierwohl sprechen? Ist der massenhafte Konsum von Fleisch nicht nur möglich, weil unsere Tiere meist in drangvoller Enge ohne Frischluft oder Einstreu gehalten werden? Und ist dieser massenhafte Konsum von Fleisch nicht nur möglich, weil unsere Tiere eingepfercht in total überladenen Transportern stundenlang, meist ohne Wasser und Futter, überführt werden?

Uns Menschen sollte bewusst sein, dass parallel zur rasanten Zunahme der Agrarwirtchaft mit Tieren, die  Ammoniak-Emissionen aus den Mastanlagen drastisch steigen, wodurch die Nitratwerte in unserem Grundwasser nicht akzeptable Werte aufweisen.

Bereits in den Römischen Verträgen von 1957 verankerten die Gründerstaaten (Deutschland, Frankreich, Italien, Belgien, die Niederlande und Luxemburg) der damaligen Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) die Ziele und Aufgaben einer europäischen Agrarpolitik. Dabei sollte auf einen gerechten Wettbewerb zwischen den Regionen geachtet und Überschüsse vermieden werden. Im Mittelpunkt stand der bäuerliche Familienbetrieb mit artgerechter Tierhaltung. Betrachten wir jedoch den heutigen Stand der Dinge, muss man sich fragen: Hat die Politik ihr Ziel verfehlt oder will sie Deutschland in ein Agrarland verwandeln?

Quellen: Agrarmarkt aktuell;  Fleischatlas;  Gevestor; BMEL- Bundesministerium für Ernährung und Wirtschaft; ISN - Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschland e.V., Destatis

Foto mit Schweinen: Vier Pfoten. ch

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