Kühe lebenslang an Ketten - für Milch und Fleisch

Die Anbindehaltung von Rindern ist kein tiergerechtes Haltungssystem im Sinne des § 2 Tierschutzgesetz! Und dennoch werden hierzulande immer noch ca 1 Mio Kühe zeitweise oder ganzjährig in Anbindung gehalten - auch in Biobetrieben.

 

Bereits am 22. April 2016 stimmte der Agrarauschuss des Bundesrates mit großer Mehrheit für ein Verbot der ganzjährigen Anbindehaltung von Rindern, indem er dem Antrag der hessischen Landesregierung vom 13.05.2015 folgte und den damaligen Bundeswirtschaftsminister Christian Schmidt zu einer Gesetzesvorlage aufforderte. Doch Schmidt wollte dieses Verbot nicht umsetzen "die Anbindehaltung solle so bleiben, wie sie ist." Schließlich lehnte die Bundesregierung  das vom Bundesrat geforderte Verbot einer ganzjährigen Anbindehaltung von Rindern ab. In ihrer Stellungnahme bemängelte sie unter anderem eine fehlende Abschätzung der wirtschaftlichen Auswirkungen eines ganzjährigen Verbotes der Anbindehaltung. Es sei zu befürchten, dass eine derartige Regelung zu

  • einer Beschleunigung des Strukturwandels sowie
  • einer erheblichen Belastung kleinerer und mittlerer Betriebe führen werde.

 

 Quelle: Bayerische Landwirtschaftliche Wochenblatt, BMEL

 

Dr. Uwe Tiedemann, Präsident der Bundestierärztekammer, ärgert diese Argumentation: „Die ganzjährige Anbindehaltung von Rindern schönzureden mit der Begründung, ein Verbot würde den Strukturwandel in der Landwirtschaft beschleunigen, berücksichtigt nicht das Tierwohl! Wenn man die Diskussion mit dem Ziel, die reine ganzjährige Anbindehaltung abzuschaffen, den Wirtschaftsbeteiligten überlässt, wird es wohl bis zum Sankt-Nimmerleinstag dauern, bis sich für die Tiere etwas ändert. Wir führen diese Diskussion schon so lange und es bedarf hier endlich klarer Entscheidungen seitens der Politik!“

 

Quelle: https://www.bundestieraerztekammer.de/presse/pressemeldung.php?X=20160802164917

Der BBV lehnt ein Verbot der Anbindehaltung (auch mit zeitlicher Befristung) ab. Kommentar vom BBV-Präsident (Bayerischer Bauernverband) Walter Heidl: "zwar gehe der Trend in der Milchviehhaltung zum Laufstall, jedoch seien es die von der Gesellschaft so gewünschten geführten familiären Kleinbetriebe, in denen die Anbindehaltung eine größere Rolle spiele." Weiterhin spricht man von einer "Attraktivität" bayerischer Dörfer??? Und es gäbe keine Alternative zur Milchviehhaltung in diesen Regionen?

Quelle: https://www.bayerischerbauernverband.de/anbindehaltung

Ist das tatsächlich so?

In Bayern halten derzeit immer noch ca 50 Prozent von mehr als 30.000 Milchviehbetriebe ihre Tiere in Anbindehaltung, das sind etwas mehr als ein Viertel der Milchkühe. Das heißt, die Kuh wird am Kopf mit einer Kette oder zwischen zwei Metall-stäben so fixiert, das ihr an Bewegung lediglich das Aufstehen und Niederlegen ermöglicht - und das ein Leben lang!

Fährt man durch das schöne Bayern und achtet  bewusst auf Bilder mit " Kühen auf der Weide" - wird man schnell feststellen, dass diese eher selten erscheinen bis überhaupt nicht.

Vielmehr werden wir mit einer von Menschenhand erschaffenen Monokultur gelangweilt. Bewirtschaftete Flächen, soweit das Auge reicht, begleitet von einem charmanten Güllegeruch. Der Anbau von Tierfutter für die Massentierhaltung - subventioniert von unseren Steuergeldern!


Wir sind regelmäßig unterwegs in

  • Ställen mit Anbindehaltung
  • Laufställen
  • Freilandhaltung

Wir kontaktieren die Landwirte und recherchieren entsprechend.

Nur wenige Landwirte sind wirklich kooperativ - viele fürchten Kontrollen durch die Behörden, sind aber überzeugt, dass es ihren Tieren gut geht. "Schließlich hätte die Anbindehaltung auch Vorteile, wie einen eigenen Fressplatz oder die Unterbindung von Rangkämpfen" ??? Andere beklagen den schlechten Milchpreis und die finanziellen Einschränkungen. Alle Landwirte üben einen weiteren Beruf aus und zwar als Vollzeitjob. Das heißt, die Kühe werden in der Früh (vor der Arbeit) und abends (nach der Arbeit) gemolken und versorgt - sonst bleibt keine Zeit. Die Familie wird meist mit eingebunden.

Wir haben mehrere Ställe zu verschiedenen Zeiten besucht - im Winter sind die Türen zu, die Kühe verweilen mehr oder weniger im dunklen, muffigen Stall. Verdammt zum Wirtschaften! Im Sommer, bei brütender Hitze, werden oftmals die Türen geöffnet - was für ein Glück - die Tiere dürfen nun den ganzen Tag an einer Stelle verweilen und den Blick nach draußen richten. Sie liegen teilweise so eng beieinander, können sich nicht drehen oder wenden, liegen auf harten Böden in ihrem eigenen Dreck und haben enorme Schwierigkeiten, sich aufzurichten.

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