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Abschussprämie Wildschweine oder Stopp des Schweinefleischimports?

Präventive Seuchenbekämpfung nennen sie es - nun hat auch die bayerische Staatsregierung  eine Prämie in Höhe von 20 Euro für jedes erlegte Wildschwein (Frischling und Bache) festgelegt.

Vom Bauernverband gefordert und von Umweltministerin Ulrike Scharf sowie Landwirtschaftsminister Helmut Brunner unterstützt, wird nun die bayerische Jägerschaft zum erhöhten Abschuss der Tiere angehalten.

Afrikanische Schweinepest - Wildscheine - fair4world

Warum die Furcht vor der afrikanischen Schweinepest?

Grund ist das Auftreten der afrikanischen Schweinepest (ASP) in den osteuropäischen Ländern. Doch wie verbreitet sich diese Tierseuche und woher kommt sie? In den afrikanschen Ursprungsländern wird das Virus über die sogenannten Lederzecken oder von Schwein zu Schwein (Warzen- und Buschschweine) übertragen. In Europa erfolgt die Ansteckung vielmehr durch den direkten Kontakt (Kot, Harn, Nasensekret, Blut) mit infizierten Tieren (auch toten Tieren) oder durch die Aufnahme von Speisabfällen aus Schweinefleischerzeugnissen, aber auch durch indirekten Kontakt  mit kontaminierten Tiertransportfahrzeugen, landwirtschaftlich genutzter Geräte und Kleidung oder Ausrüstungsgegenstände wie u. a. die Jagdausrüstung. Das Virus sei auf den Mensch und den Hund nicht übertragbar und somit auch keine Gefahr. Wie bei der klassischen Schweinepest sind nur Schweine und Zecken für dieses Virus empfänglich.

Laut Untersuchungen sei eine Impfung nicht möglich, die einzigste Variante die Seuche zu bekämpfen, sei die Tötung der Tiere.  Die Bekämpfungsmaßnahmen werden durch die zuständigen Veterinärbehörden durchgeführt.

Worin besteht das Risiko für Deutschland?

Das Risiko besteht darin, dass sich das Virus auf unsere Hausschweine übertragen könnte, also auf die Schweinemastbetriebe. Das würde natürlich erheblichen wirtschaftlichen Schaden bewirken, da betroffene Betriebe ihre Tiere töten müssten und ein Transport von Ferkeln usw. untersagt würde.  Zusätzlich müsste Deutschland als einer der weltgrößten Schweinefleischproduzenten mit einem Exportverbot rechnen. Wie bereits 2014 durch Russland geschehen, ging laut ISN (Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands e.V.) den deutschen Schweinmasthaltern je Schlachttier 20 Euro verloren.

Dann doch lieber vorbeugend gesunde Wildschweine abknallen.

Laut dem niedersächsischen Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit bestehen die besonderen Gefahren der Einschleppung aus den betroffenen Regionen durch:

  • Lebensmittel, die Schweinefleisch enthalten, welches nicht erhitzt wurde.
  • Teile von Schweinen (z.B. Häute, Jagdtrophäen).
  • Gegenstände, die Kontakt zu Schweinen hatten (z.B. Kleidung, Jagdwaffen).
  • Lebende Schweine

 

Personen, die aus betroffenen Regionen zu uns kommen oder diese besuchen, müssen unbedingt darauf hingewiesen werden.

Bitte informieren Sie sich vor einer Reise in ein Nicht-EU-Land über dessen Tierseuchenstatus, wenn Sie Kontakt zu Haus- oder Wildschweinen haben werden.

Wie überträgt sich überhaupt der afrikanische Schweinevirus auf unsere Hausschweine?

Wie wir bereits informiert haben, ist die Übertragung nur durch direkten Kontakt der Schweine möglich. Der indirekte Kontakt wird wie bereits erwähnt durch kontaminierte Arbeits- und Beförderungsmaschinen sowie durch menschliche Bekleidung übertragen. Da unsere Schweine in der Regel in Mastbetrieben eingesperrt sind und dort lebenslänglich verweilen,  stellt sich doch die Frage, ob der freigegebene Abschuss unserer Wildschweine Sinn macht? Wären hier nicht strikte hygienische Maßnahmen für die Bauern, Jäger und die Fleischproduzenten sinnvoller, wie zum Beispiel:

  • keine (Fleisch)abfälle oder Essensreste an Schweine und Wildschweine verfüttern
  • Ställe nur mit sauberer Kleidung und Schuhen betreten
  • Ställe reinigen
  • Tiertransporte stoppen
  • Transporter reinigen
  • Tiere auf mögliche Symptome regelmäßig kontrollieren

Risiko durch importiertes Schweinefleisch

In Deutschland wurden allein 2016 rund 106.000 Tonnen Schweinefleisch importiert, darunter 47.241,1 Tonnen aus Polen! Bedenken wir, dass das Virus über Futter- und Viehtransporte nach Europa gelang, müssen wir uns doch hier die Frage stellen, weshalb der Schweinefleischimport nicht eingestellt wird? Denn verseuchte Fleischwaren, wie z. B. Salami oder Schinken, können bis zu 6 Monaten ansteckungsfähig bleiben.

2017 wurden in Deutschland im dritten Quartal 14,7 Millionen Schweine geschlachtet, davon wurden  980.800 Tiere wurden nicht in Deutschland gemästet.

Der Weg der afrikanischen Schweinpest nach Europa

Erstmals wurde die afrikanische Schweinepest 1921 in Kenia festgestellt. Das Erregerreservoir stellten vor allem Warzenschweine und Zecken dar, die nicht als klinisch erkrankt gelten. In Europa konnten kleinere Ausbrüche, wie z. B. in Frankreich 1974, Belgien 1985, Niederlande 1986, Spanien 1994, Portugal 1999 erfolgreich bekämpft werden. Lediglich auf Sardinien (Italien) wurde diese Seuche 1978 eingeschleppt und scheint auch heute noch zu existieren.

2007 verbreitet sich das Virus im Kaukasus und in Russland, vermutlich aus Georgien ausgehend, durch Verfütterung unsachgemäß behandelnder Speiseabfälle von internationalen Schiffen eingeschleppt. Weitere Ausbreitung über Armenien nach Russland bis in die Ukraine. Seit 2014 wurde das Virus bei Wildschweinen in Litauen nachgewiesen - die EU wurde erreicht.

Quellen:  Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit ;  ACADEMIC; Niedersächsisches Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit; Staista;

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